Probleme beim Stillen oder Fläschchen geben

Zu kurze Zungenbändchen können zu Still- oder Fütterproblemen führen, jedoch ist nicht jedes Stillproblem auf ein zu kurzes Zungenband zurückzuführen

Probleme beim stillen zu kurzes Zungenbändchen Orale Restriktionen DEFAGOR e.V.

Orale Restriktionen können sich auch beim Stillen mit sehr verschiedenen Symptomen äußern. Die Einschätzung, inwiefern das entsprechende Stillproblem bzw. der Problemkomplex mit dem Zungenbändchen zu tun haben, ist also ein wichtiger Bestandteil der Beratung.

 

Stillen ist die normale Ernährung eines Säuglings. Stillen muss trotzdem niemand. Allerdings sollte ein Kind vom Prinzip her in der Lage sein, aus der Brust zu trinken. Ist das nicht der Fall und ein Kind kann nur aus der Flasche trinken (oder im schlimmsten Fall auch das nicht) ist etwas nicht in Ordnung. Das Gleiche gilt für das Trinken aus dem Fläschchen: auch hier sollte es für alle Beteiligten eine angenehme, stimmige Situation sein. 

Mögliche Symptome eines zu kurzen Zungenbändchens beim Stillen oder Trinken aus der Flasche

Nicht alle Symptome eine zu kurzen Zungenbändchens müssen beim Baby gleichzeitig auftreten, denn manche schließen sich auch gegenseitig aus. Treffen jedoch mehrere Punkte zu und eine Optimierung des Stillmanagements oder der Körperarbeit haben keinen ausreichend anhaltend positiven Einfluss, lohnt sich der Blick in den Mund. Ernst zu nehmen ist vor allem das elterliche Gefühl, dass "etwas nicht stimmt":

  • Das Kind ist nicht in der Lage sich an der Brust „anzudocken“
  • Das Anlegen ist erschwert, das Kind baut kaum ein Vakuum auf 
  • Das Vakuum wird häufig mit einem Klicken oder Schnalzen unterbrochen,
  • "Ran-Weg"-Verhalten
  • Das Kind verliert beim Trinken an der Brust oder an der Flasche Milch aus dem Mund
  • Das Kind schiebt die Flasche bei Trinken ständig vor und zurück
  • Schwierigkeiten mit fester Nahrung, auffällig späte Beikostbereitschaft mit winzigen Mengen

Ganzheitliche Beratung

Natürlich können einzelne Symptomen auch durch andere Ursachen hervorgerufen werden. Daher ist eine ganzheitliche Anamnese und eine Vernetzung mit weiteren Fachpersonal, der interdisziplinäre Ansatz, ein wichtiger Bestandteil der Beratung.

 

Ob die Zunge restriktiv ist, kann selten ausreichend durch eine Blickdiagnose gesichert festgestellt werden. Eine „Ersteinschätzung“ der Situation über Fotos o. ä. macht aus diesem Grunde in den meisten Fällen keinen Sinn.
Vordere an der Zungenspitze ansetzende (anteriore) Zungenbänder sind jedoch einfacher zu erkennen und werden daher eher frühzeitig behandelt. Bei weiter hinten ansetzenden oder versteckten (posterioren) Zungenbändern ist die Diagnose zwingend über die Zungenbeweglichkeit sicherzustellen.

 

Deshalb kann es sein, dass ein Kind die Zunge zwar herausstrecken kann, aber die Zunge dennoch restriktiv ist. Denn beim Stillen kommt es nicht nur auf Vor- und Rückbewegungen an, sondern der gesamte Bewegungsablauf, vor allem im mittleren Zungenbereich, muss für die vollständige Funktion auch nach oben hin frei sein.

 

Es macht also immer Sinn, bei einem Baby mit Problemen beim Stillen oder beim Fläschchentrinken von einer kundigen Fachperson das Zungenbändchen und die Zungenbeweglichkeit im Gesamtkontext beurteilen zu lassen.

Diagnose oraler Restriktionen

Die Diagnose der oralen Restriktionen wird mittlerweile wieder häufiger gestellt. Dadurch nimmt die Anzahl der vorgenommenen Frenotomien (Durchtrennungen) zu. Allerdings sind die absoluten Zahlen hier in Deutschland, auch im Vergleich mit anderen Ländern und im Hinblick auf die aus Studien bekannten Zahlen an betroffenen Menschen, immer noch sehr niedrig.

 

In Deutschland gelangt die Thematik hinsichtlich Zungenbänder und anderen oralen Restriktionen wieder mehr in den Fokus. Das hängt unter anderem mit dem immer häufiger auftretenden Wunsch von Müttern ihre Kinder stillen zu wollen zusammen.

Außerdem liegt eine Vererbung oraler Restriktionen nahe sowie epigenetische Einflüsse. Zudem gibt es Theorien, die u.a. MTHFR-Mutationen im Zusammenhang mit eben diesen sehen.