Baby mit Stillproblemen/ Stillstreik

Erfahrungsbericht zum Stillen
Orale Restriktion
Zungenbändchen
Frenotomie

Anfang April 2021 ist mein 2. Kind per KS geboren worden und hatte wegen Anpassugsstörungen 2 Tage Neo gebucht. Ich habe morgens entbunden, durfte aber erst abends zu ihm, weil ich selbst Komplikationen hatte.Die 10% Gewichtsabnahme hat er fast vollständig ausgereizt. Stillen funktionierte nur sehr schlecht, die Stillberatung des Krankenhauses war mit ihrem Standardsatz: "Bleiben sie locker!" auch keine Hilfe. Zwei Tage haben wir rumgedoktert mit Stillhütchen, Brusternährungsset, Fingerfeeder, Flasche. Dann hatte ich die Nase voll, hab meine Nachsorgehebamme angerufen und mit ihr besprochen, dass wir erstmal pumpstillen, weil er sonst weiter abnimmt. Zwei Tage später durften wir nach Hause. Ab da hab ich versucht ihn ausschließlich zu stillen. Hat nicht geklappt. Der kleine hat den Mund nicht richtig aufbekommen und konnte mit der Brust irgendwie nix anfangen. Also wieder mit Flasche nachgeholfen, was auch mehr schlecht als recht lief. Damit haben wir natürlich eine Saugverwirrung gezaubert. OK, kannte ich von meinem grossen, also nur noch Brust, eine Woche durchhalten, dann wird das schon. Wurde es nicht.
So langsam beschlich mich das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmen kann.
Wenn er mal stillte, schnalzte er an der Brust, die Milch flog teilweise meterweit durch den Raum und ständig verlor er die Brust wieder. Nach 5 bis 10 Minuten schlief er meist erschöpft ein.
Ich kontaktierte meine Hebamme, KiA und Osteopath. Keine Ursache zu finden. Alles i.O.
Er nahm auf seiner Perzentile zu.
Als ich in einem Stillforum die Problematik schilderte, war einer der Vorschläge, das Zungenband abklären zu lassen. Und zwar nicht von irgendjemandem, sondern am besten von einer IBCLC zertifizierten Stillberaterin. In meiner Entbindungsklinik arbeiten mehrere Stillberaterinnen mit dieser Zertifizierung. Anschauen wollte das Kind aber keiner. Wir wurden direkt an einen Kieferchirurg weiterverwiesen, der mit der Klinik zusammenarbeitet. Nach einer 3 Sekunden Blickdiagnose, war das Resümee: nix wildes, kann man schneiden oder auch nicht. Ich solle mich melden wenn ich mich entschieden habe. Wow. Auf so einer Grundlage lasse ich doch keinen Eingriff machen.
Also rief ich die nächste IBCLC an, die Google ausspuckte. Nach einem Telefonat wusste ich: sie ist im Ruhestand und hilft nur noch telefonisch. Ich solle mal gegen die Schwerkraft stillen und das Zungenband meines Sohnes aufgrund von Bildern selbst beurteilen. Das war auch nicht so das gelbe vom Ei.
Meine Hebamme schicke mich als Mini ca 3 Monate alt war zu einem speziellen Physio.
Dieser fand immerhin einen zurückgesetzten Unterkiefer, unvollständigen Mundschluss und Verspannungen im der gesamten Gesichtsmuskulatur. Außerdem einen geklemmten Kiefernerv. Der Termin beim Neuropädiater steht noch aus. Aber nach 10 Sitzungen hatte immerhin das Schnalzen an der Brust fast aufgehört. Wir bekamen auch jedes mal Übungen für Zuhause mit.
Das Rezept für den Physio bekam ich nur zähneknirschend vom KiA. Schliesslich ist er Arzt und sah keine Notwendigkeit.
Ein erneute Verzweiflungspost in ein Stillforum brachte mich auf die DEFAGOR. Also nahm ich nochmal Anlauf und machte einen Termin mit einer Stillberaterin, die dort gelistet ist.
Sohnemann war mittlerweile 5 Monate alt. Und endlich bekamen wir nach langem Leidensweg, nachdem ich schon dachte ich bin bescheuert, nach etlichen blöden Ratschlägen (Dann still halt ab! Entspann dich mal, dein Kind trinkt bestimmt nur schlecht, weil du so unentspannt bist!), die "Diagnose" posteriores Zungenband. Dass der kleine bis dato so schön auf der Perzentile lag, erklärte die Stillberaterin damit, dass vermutlich mein grosser Sohn den Milchfluss für ihn am laufen gehalten hat. Hätte ich den grossen vor Entbindung des Kleinen abgestillt, wären wir vermutlich nie soweit gekommen. Ich bekam neue Übungen u.a. für aktives Wundmanagement nach dem Eingriff und die Adresse eines Zahnarztes, der die Frenotomie durchführte. Wieder wurde das stillen etwas besser.
Ausserdem bekam ich einen Bericht für den KiA mit, in dem die Fortführung der Physiotherapie empfohlen wurde.
Der KiA weigerte sich, diesen Bericht überhaupt zu lesen.
Nachdem er sich sich noch abwertend gegenüber Stillberatung und Physio geäußert hat, haben wir gewechselt. Mit so jemand kann ich nicht zusammen arbeiten.
Mit fast 6 Monaten hatten wir erneut einen Termin bei der Stillberatung, weil Mini seit ca 3 Wochen immer im 2 Tageswechsel einen Stillstreik probte. Tagsüber waren wir teilweise bei 3Mahlzeiten. Nur Nachts klappte das trinken. Ich sollte, um mal genauer schauen zu können, das Windelgewicht in 24 h bestimmen. Es betrug nur die Hälfte, von dem, was normal gewesen wäre. Wir mussten die fehlende Menge zufüttern. Das funktionierte nur mit Löffel, dauerte ewig und die Hälfte ging daneben.
Die Stillberaterin schaute in seinen Mund, Tastete und schlug schließlich die Hände über dem Kopf zusammen. Der Zahnarzt hatte nur die Hälfte des Zungenbandes getrennt. Noch am selben Nachmittag wurden wir zum nachschneiden in der Klinik dazwischen geschoben und das Zungenband nochmals geschnitten.
Er verweigerte direkt danach die Brust, aber ab abends trank er völlig verändert. Seitdem wird es stetig besser. Das erste Mal in seinem Leben clustert er. Nach dem stillen hängt er mir noch ca 30 Minuten an der Brust. Das war vorher nie möglich. Wir dachten immer, er wäre halt einfach ein ruhiger. Jetzt wird er richtig wach und aktiv. Endlich können wir auch im Liegen stillen. Ich bin mega glücklich und hoffe,dass es so bleibt.

 

(ANMERKUNG: hier konnte das Band im Anschluss an den Kontrolltermin bei der Stillberaterin, als klar war, dass beim ersten Mal nicht komplett getrennt worden war, direkt getrennt werden, da das Stillpaar ja bereits seit Wochen in der Vorbereitung war und sich hierbei auch bereits deutliche Verbesserungen, ggf sogar auch unterstützt in Folge des ersten Antrennens, gezeigt hatten.)